Wohnquartier | Lange Horst

  • Ort: Bochum
  • Realisierungszeitraum: 2011_14
  • Bauherr: Privat
  • LPH: 1_9

Die Arbeits-, Lebens- und Wohnvorstellungen in unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Daraus resultierend sind neue Orientierungen in der räumlich-baulichen Konzeption und in der Organisation der Gebäude zwingend erforderlich.

Unsere Gesellschaft schrumpft. In den kommenden Jahren wird für Deutschland eine deutliche Veränderung der Einwohnerzahlen sowie der Bevölkerungsstruktur vorausgesagt.
Der Bedarf an spezifischen Wohnungswünschen nimmt somit einen immer steigenden Stellenwert auf dem Wohnungsmarkt ein. Sinkende Haushaltsgrößen mit vielfältigen Wohnvorstellungen erfordern neue Wohnkonzepte.
Die heutige Wohnform bietet ein variables Raumkonzept, welches eine Offenheit sowie auch eine Abtrennung von Räumen ermöglicht, ebenso kommunikative Außen- wie auch private Rückzugsbereiche schafft.
Die Qualität und Vermarktung einer Wohnung sowie ihr Wohnwert hängen nicht nur von deren Qualität, ihrem Standard oder ihrer Größe ab, sie wird vielmehr aus diversen Einflüssen Ihres Kontextes geprägt. So fällt die Entscheidung für eine Wohnung häufig unmittelbar in dem Moment der Besichtigung der Räume indirekt jedoch mit dem Wissen um die Qualitäten des Umfeldes, der Nachbarschaft und des Quartiers.

Städtebauliche Konzeption

Die Entwurfsentscheidung wird sowohl durch die stadträumliche Situation geprägt, wie auch durch die Gestaltung des gesamten Quartiers beeinflusst.
Das Gelände befindet sich in einer hügeligen Landschaft, die bis zum Ruhrtal stark abfällt.
Das Grundstück fügt sich in die grün geprägte Umgebung ein und bildet zusammen mit der Bebauung zum Langen Horst und zur Gartenstraße ein kleines in sich geschlossenes Quartier innerhalb der Gartenstadt. Als Teil der Gartenstadt wird bei der neuen Bebauung besonderes Augenmerk auf die Verflechtung mit dem umgebenden Grün gelegt.

Die Umgebung ist durch heterogene Bebauung geprägt. Im Osten stößt das Grundstück an die, im leichten Bogen verlaufende, stärker befahrene Marxstraße, die vorwiegend durch eine Straßenrandbebauung geprägt ist. Im Süden verändert sich die Gebäudestruktur, die Wohnbebauung löst sich langsam auf. Hier befindet sich ein Discounter, eine Sporthalle und ein Schwimmbad. Im Westen schließt sich eine kleinteilige, gartenstädtisch geprägte Bebauungsstruktur an. Die hervorstechende Qualität des Stadtteilquartiers ist die sehr starke Durchgrünung, geprägt vom Baumbestand entlang der Hauptverkehrsstraße in der angrenzenden gartenstädtischen Bebauungsstruktur und auf dem Grundstück. Diese Qualität wird unterstützt durch zahlreiche Platzsituationen und Straßenaufweitungen. Ziel des Entwurfes ist die Weiterführung dieser räumlichen Qualitäten.

Das zu beplanende Grundstück umfasste vor dem Abriss der straßenbegleitenden Bebauung an der Marxstraße acht zweigeschossige Baukörper. Davon sind drei Gebäude mit insgesamt 30 Wohneinheiten bereits zurückgebaut. Zwei Wohngebäude mit 12 Wohneinheiten sollen mit Beginn der Baumaßnahmen weichen. Drei Gebäude verbleiben auf dem Grundstück. Die gesamten Parkplätze der Wohnungen werden bisher nur im Straßenraum nachgewiesen.

Das aus den drei neuen Baukörpern und den verbleibenden Bestandsgebäuden geplante Ensemble bildet einen privaten, parkähnlichen, gemeinschaftlichen Grünraum mit hoher Aufenthaltsqualität als Herzstück des Entwurfes. Dieser Innenraum wird durch den Erhalt des alten Baumbestandes wesentlich gesteigert. Lediglich ein niedriger Mauerstreifen mit Heckenbepflanzungen trennt die privaten Freibereiche im Erdgeschoss von der allgemein zugänglichen Gartenzone ab.
Als Rückzugsbereiche für die Nutzer gibt es intime, zum Himmel geöffnete Patio, Terrassen oder Loggienbereiche, die jeder Wohnung zugeordnet sind. So gelingt eine Verknüpfung zum ebenerdigen Platz. Das Grün `springt` auf die unterschiedlichen Ebenen des Gebäudes.

Die neue Bebauung folgt, wie auch bereits der Bestand, dem Straßenverlauf, um dem Straßenraum die nötige Raumkante zu geben. Die Baukörper staffeln sich der bestehenden Bebauung orientierend parallel zum Straßenverlauf ab. Der Baukörper im Westen der Bebauung orientiert sich zur Gartenstraße und bietet dem Platz, wie auch die Bestandsgebäude, einen baulichen Rücken.

Um die veränderten Wohnvorstellungen erfüllen zu können, werden größere Gebäudetiefen realisiert. Dies ermöglicht offene Grundrisse mit großzügigen Raumzuschnitten und großer Aufenthaltsqualität. Um jeder Wohnung eine maximale Süd-West Orientierung zu ermöglichen werden die Baukörper in diese Himmelsrichtungen aufgeweitet.

Die starke Topographie des Grundstücks aufnehmend, werden Plateaus ausgebildet, die das Gelände treppenartig formen. Die Position der Gebäude zum öffentlichen Raum führt entsprechend zu Überlegungen, wie das straßengleiche Niveau im Gebäude genutzt werden kann. Ein bewusster Abstand der Wohnnutzung zum öffentlichen Raum wird durch das Anheben um ein Sockelgeschoss erzeugt.